Presseverteiler, Politik und Wirtschaft – Do 15.01.2026
Die Westmünsterlandbahn GmbH (WMB) stellt Vertreterinnen und Vertretern aus Presse und Politik ergänzend zur Präsentation der Stellungnahme der TransportTechnologie-Consult Karlsruhe GmbH (TTK) am 06.11.2025 weitere zentrale Dokumente zur Verfügung, die die Ergebnisse der Stellungnahme bestätigen und in einem neuen Licht erscheinen lassen.
Im Mittelpunkt stehen dabei zwei ausführliche Schreiben des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) vom 10.06.2025 und 13.06.2025, die nach einer entsprechenden Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Zweckverband Mobilität Münsterland (ZVM) erstellt wurden. Diese Schreiben dokumentieren erstmals detailliert die Vorgehensweise des vom NWL beauftragten Gutachterbüros bei der Überarbeitung der Machbarkeitsstudie und bestätigen zentrale Kritikpunkte der WMB und der TTK.
NWL bestätigt: Kommunale Wunschvorstellungen prägten die Kostenansätze
Aus den beiden NWL-Schreiben geht eindeutig hervor, dass die Überarbeitung der Machbarkeitsstudie keine neutrale Neuberechnung auf Basis der Standardisierten Bewertung 2016+ war. Vielmehr wurden umfangreiche, von den beteiligten Städten formulierte kommunale und städtebauliche Wunschvorstellungen unmittelbar in die Kostenansätze übernommen – einschließlich baulich aufwendiger Troglagen, Unterführungen und Brückenbauwerke, ohne deren rechtliche Notwendigkeit im Rahmen der Reaktivierung abschließend zu prüfen.
Der NWL stellt selbst klar, dass:
— gesetzlich nicht zwingend erforderliche Ingenieurbauwerke auf ausdrücklichen Wunsch der Kommunen in die Bewertung eingeflossen sind,
— die Lösungen nicht primär aus rechtlichen Vorgaben, sondern aus lokalen Akzeptanz- und Gestaltungsüberlegungen entwickelt wurden,
— eine Prüfung der GVFG-Förderfähigkeit einzelner Maßnahmen bewusst nicht erfolgt ist
— und dass es sich ausdrücklich nicht um ein neues Gutachten, sondern lediglich um eine Neubetrachtung unter kommunalen Rahmenbedingungen handelt.
Damit wurde – so die Bewertung der WMB – der Zweck der Standardisierten Bewertung als bundesweit vergleichbares, objektives Verfahren verlassen.
Troglagen als Kostentreiber – NWL relativiert eigene Argumentation
In seinem ergänzenden Schreiben vom 13.06.2025 relativiert der NWL zudem seine vorherige Darstellung und räumt ein, dass die kostenintensiven Troglagen nicht explizit von den Kommunen gefordert, aber faktisch als „sinnvollste Lösung“ unterstellt wurden. Gleichzeitig hält der NWL an der Prämisse fest, dass ebenerdige Bahnübergänge pauschal ausgeschlossen worden seien – eine Annahme, die sowohl durch die Stellungnahme der TTK als auch durch eine Stellungnahme des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages ausdrücklich widerlegt wird.
Wissenschaftlicher Dienst und TTK widersprechen NWL-Grundannahmen
Bereits im März 2025 hatte die WMB über das Büro von Nyke Slawik MdB (Bündnis 90/Die Grünen) eine Stellungnahme des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages erhalten. Diese kommt – ebenso wie die TTK – zu dem eindeutigen Ergebnis, dass:
— die Reaktivierung der Strecke keinen Neubau im Sinne des Eisenbahnkreuzungsgesetzes darstellt,
— der Wiederaufbau technisch gesicherter, bodengleicher Bahnübergänge rechtlich zulässig ist,
— und damit die angesetzten Tunnel- und Trogbauwerke nicht zwingend erforderlich sind.
Auf dieser Grundlage errechnet die TTK für die Verbindung Bocholt – Rhede – Borken einen Nutzen-Kosten-Faktor deutlich größer als 1 und bestätigt damit grundsätzlich die volkswirtschaftliche Förderfähigkeit des Projekts.
WMB fordert transparente Neubewertung
Die WMB kritisiert insbesondere, dass der NWL trotz mehrfacher Aufforderung seitens der TTK:
— weder den vollständigen Daten-Report zur überarbeiteten Studie zur Verfügung gestellt,
— noch eine Einladung zur Beteiligung an einer gemeinsamen Vor-Ort-Begehung wahrgenommen hat.
„Die nun vorliegenden NWL-Schreiben belegen schwarz auf weiß, dass das schlechte Ergebnis der Studie nicht das Resultat objektiver Rahmenbedingungen ist, sondern einer politisch motivierten Überfrachtung mit kommunalen Wunschlösungen“, erklärt die Geschäftsführung der Westmünsterlandbahn.
Die WMB fordert daher:
eine vollständig transparente Neubewertung der Strecke,
die Rückkehr zu rechtlich zulässigen und wirtschaftlich angemessenen Infrastrukturannahmen,
sowie einen offenen Dialog zwischen NWL, Kommunen, Politik und Fachgutachtern.
„Die Reaktivierung der Bahnstrecke Bocholt – Borken – Coesfeld ist kein erledigtes Projekt. Die vorliegenden Dokumente zeigen, dass sie unter sachgerechten Annahmen eine realistische und förderfähige Perspektive für das Westmünsterland bietet“, so die WMB abschließend.
Westmünsterlandbahn GmbH
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